Mobil in Mitte
Das Bedürfnis der Menschen mobil zu sein nimmt immer stärker zu, angetrieben durch gesellschaftliche Entwicklungen, aber auch durch die Entwicklung der Siedlungsstruktur. Wie können wir dieses Bedürfnis befriedigen, ohne dass dabei die Umwelt oder andere Menschen auf der Strecke bleiben?
Ziel muss es sein, die Mobilität der Menschen zu vergrößern, ohne gleichzeitig die Belastungen durch den Verkehr zu erhöhen. Im Gegenteil: Wir wollen die Belastungen für Menschen und Umwelt senken. Ist es möglich, diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen?
Wenn man sich auf bestimmte Verkehrsträger wie das Auto fixiert, sicherlich nicht. Die Gesellschaft muss radikal umdenken – mobil sein bedeutet nicht, immer und überall über ein Auto verfügen zu können. In Gebieten mit starkem Parkdruck zum Beispiel sind Radfahrerinnen und Radfahrer mobiler als ihre autofahrenden Mitmenschen – sie müssen sich in der Regel auch nicht erst auf lästige Parkplatzsuche begeben. Aber es gibt auch Mitmenschen, die auf Grund von Beeinträchtigungen auf ein Auto angewiesen sind. Das macht deutlich: Der einzelne Mensch und seine Bedürfnisse müssen im Mittelpunkt der Verkehrsplanung stehen – auf bezirklicher wie auch auf Landesebene.
Es gilt daher die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Kieze in Planungen einzubeziehen. Und dabei darf es nicht nur darum gehen, ob ein Projekt realisiert wird oder nicht. Die Beteiligten müssen die Möglichkeit haben, eigene Ideen und Wünsche einzubringen. So stellen wir sicher, dass das investierte Geld auch gut angelegt ist ‑ denn ein Projekt, das am Bedarf der Bürgerinnen und Bürger vorbeigeht, ist Geldverschwendung.
Im Rahmen unseres Zukunftsforums „Mitte gestalten!“ haben wir Bürgerinnen und Bürgern gefragt, welche Ideen und Wünsche sie für die Mobilität im Bezirk haben. Im Rahmen eines Workshops haben wurden zu den drei Themenfeldern Radverkehr, Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Autoverkehr Anregungen und Meinungen gesammelt. Viele der Teilnehmer und Teilnehmerinnen brachten auch ganz konkrete Probleme mit. Exemplarisch genannt seien der Streit um die Verlängerung der Tramlinie M10 in Verbindung mit dem Ausbau der Invalidenstraße, kurze Ampelphasen für Fußgängerinnen und Fußgänger oder die Abstellproblematik für Fahrräder an U- und S-Bahn-Stationen. Die Arbeitsgemeinschaft „Mobil in Mitte“ unserer Bezirksgruppe wird sich nun mit der Auswertung befassen und die gesammelten Ideen, Anregungen und Probleme in die zukünftige Arbeit einfließen lassen.
Wie man Projekte mit den Bürgerinnen und Bürgern realisiert, berichtete Jens-Holger Kirchner, Stadtrat aus Pankow. Er hat im Prenzlauer Berg eine Parkraumbewirtschaftung umgesetzt, die von den Anwohnerinnen und Anwohnern akzeptiert wird. Inzwischen wurde bereits die Forderung nach einer Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung laut. Sicherlich ein Erfolg, der durch eine gezielte Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner erreicht wurde.
Mobilität für alle
Renate Künast fordert die Stadt, die für alle da ist. Dies gilt insbesondere für die Mobilität. Denn Mobilität bedeutet auch Teilhabe am gesellschaftlichen und sozialen Leben der Stadt. Wir müssen eine Wende in der Verkehrspolitik einleiten – weg von der Förderung von Maßnahmen zum Vorteil Einzelner, die sich ein Auto leisten können und wollen. Wir müssen Öffentlichen Verkehr ausbauen, den Radverkehr fördern und Barrieren abbauen.
erschienen in den Grünen Aussichten des KV Berlin-Mitte
By Henning Bublitz | 10. Jan 2011 | Allgemein | No Comments »